Tipps zu Abschlussarbeiten

Do's & Don'ts der Bearbeitung

Auf was sollten Sie achten, wenn Sie Ihre Abschlussarbeit schreiben? Was zeichnet eine gute Abschlussarbeit aus, was ist (mir) wichtig? Ich möchte im Folgenden erst ein paar allgemeine Hinweise geben. Im Anschluss finden Sie dann von mir verwendete Kriterien der Bewertung Ihrer Bachelor- oder Masterarbeit.

Allgemeine Hinweise

Eine gute Bachelor- oder Masterarbeit widmet sich einem relevanten Thema. Sie versucht durch die Gewinnung von Erkenntnissen eine fachliche Problemstellung zu lösen und das Wissen zum Thema zu erweitern. Sie hat insofern ein klares Ziel und wirft eine klare Frage (siehe Forschungsfrage) auf. Die (Forschungs-)Frage ergiebt sich immer im Kontext des verfügbaren Wissens bzw. Forschungsstandes. Und am Ende der  Arbeit steht dann auch die Antwort auf die aufgeworfene Frage. Je schlüssiger und nachvollziehbarer ihr das gelingt, desto besser ist sie.

Eine gute Bachelor- oder Masterarbeit besitzt eine überzeugende "Story". Sie lässt einleitend die Herausforderung deutlich werden, vor der die Gesellschaft, eine Branche oder ein Unternehmen/eine Organisation steht. Sie macht deutlich, welchen Beitrag sie [die Arbeit] bei der Meisterung dieser Herausforderung leisten möchte bzw. wird. Und dann entwickelt sie ihre "Story" Stück für Stück, führt den Leser in die relevanten Kontexte ein, macht ihn mit den zentralen Perspektiven vertraut, "überrascht" ihn durch die gelungene Zusammenführung von Perspektiven etc. Die "Story" sollte dabei eng an der "Herausforderung" (Problemstellung/Forschungsfrage) bleiben, nur die zur ihrer Meisterung relevanten Aspekte verwenden. Und am Ende sollte es ihr dann gelingen, nicht nur die Herausforderung gemeistert zu haben (bzw. die Forschungsfrage nachvollziehbar beantwortet zu haben), sondern auch alle Stränge und Perspektiven schlüssig zusammengeführt zu haben.

Wenn Sie sich eingearbeitet und Ihre Forschungsfrage formuliert haben, können Sie sie schon einmal "inoffiziell" für sich beantworten. Überlegen Sie dann, welche Argumente Sie benötigen, diese Antwort Stück für Stück herzuleiten. Wie können Sie die Leser schlüssig von Erkenntnis zu Erkenntnis, von "Beweis" zu "Beweis" führen, so dass ich Ihre Antwort ganz logisch ergibt. Diese "Beweisführung" ist im Großen und Ganzen der Hautteil Ihrer Arbeit. Sie möchten, dass die Leser Ihrer Arbeit Ihren Gedanken folgen und Ihnen in Ihrer Begründung bzw. "Beweisführung" zustimmen. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein (Staats-)Anwalt, und müssen Richter oder eine Jury vor Gericht durch Ihre Beweisführung davon überzeugen, dass Sie Recht haben.  

Was sollten Sie vermeiden?

  1. Wir interessieren uns nicht für Sie, sondern für das Thema und die fachliche Problemstellung. Motivieren Sie Ihr Thema aus seiner Praxisrelevanz, aus seiner Bedeutung für die Forschung. Lassen Sie deutlich werden, warum Ihr Thema für die Gesellschaft/eine Branche oder ein Unternehmen/eine Organisation wichtig und relevant ist. Verzichten Sie auf Ausführungen zur rein persönlichen Motivation, sich mit dem Thema zu befassen.
  2. Verstehen Sie Ihre Bachelor- oder Masterarbeit nicht primär als Dokumentation Ihres vielschichtigen Wissens zum Themenkomplex oder als Protokoll Ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema. Verzichten Sie auf alle Aspekte, die Ihne nicht bei der Beantwortung Ihrer Forschungsfrage helfen. Lassen Sie Ihr Wissen einleitend und ggf. in Form kurzer Einschübe deutlich werden. Daumenregel: Räumen Sie einem Aspekt, der zwar "nice to know" ist, aber nicht Ihre Argumentation trägt, kein eigenes Unterkapitel ein.
  3. Gemäß der grundsätzlichen Ziele von Abschlussarbeiten versuchen Sie mit Ihrer eine fachliche Problemstellung zu lösen. Sie schreiben also kein Mini-Lehrbuch und auch keinen kleinen Ratgeber, der interessierte Leser mit den Grundlagen eines Themas vertraut machen soll. Alles in Ihrer Arbeit steht im Dienste der Argumentation, Ihrer Beweisführung. Ihre Abschlussarbeit darf kein "Dies & das zum Thema XY" sein.

Was sollten Sie ernst nehmen?

  1. Bedeutung der Relevanz/Aktualität Ihres Themas, der verwendeten Theorie & die Güte der Schlussfolgerungen!
  2. Relevanz/Aktualität: Setzen Sie sich kritisch mit Trends und Statistiken auseinander. Verwenden Sie möglichst seriöse Originalquellen. Hinweis: der Dienst Statista aggregiert Statistiken meistens nur, ist nicht Urheber der Statistik. Suchen Sie idealerweise nach der Originalquelle, sie ist bei Statista i.d.R. angegeben. Zeigen Sie sich sich kritisch im Umgang mit Studien, die von Unternehmen durchgeführt und veröffentlicht wurden!
  3. Schlussfolgerungen: Überlegen Sie genau, was Ihre Erkenntnisse sind und was Sie daraus schlussfolgern können? Sie sind Ihre Schlüsse wirklich zulässig? Wie sind sie belegt. Zwingen Sie sich kritisch zu sein. Überlegen Sie bspw. immer, für welche Gruppe von Menschen oder Unternehmen Ihre Schlüsse gültig sind - und in welchem Kontext.

to be continued...

Theorie ≠ Praxis?

Theorie und Praxis(orientierung) sind alles andere als ein Widerspruch. Tommsdorff/Teichert drücken es ganz passend aus:

"Bei aller Praxisnähe bedürfen Erörterungen zum Konsumentenverhalten einer soliden Fundierung. Oft liegt ein tiefgreifendes semantisches Missverständnis des Begriffs Theorie im Sinne von 'praktisch unbrauchbar' vor. Im Gegensatz dazu gilt: 'Nichts ist praktischer als eine gute Theorie', ein Satz, der dem Psychologen Kurt Lewin zugeschrieben wird. Unter 'gut' ist hier zu verstehen: logisch widerspruchsfrei, (ver)allgemein(erbar), präzise und bewährt und nicht 'theoretisch' im umgangssprachlichen Sinne von akademisch verklausuliert, formalistisch, und wirklichkeitsfern. Eine in diesem Sinn 'praktische', also anwendbare Theorie des Konsumentenverhaltens soll das Geschehen am Markt erklären, zukünftiges Geschehen vorhersagen und Möglichkeiten aufzeigen, wie man es durch Marketingmaßnahmen gestalten kann.” (Trommsdorff, V., Teichert, T. (2011) Konsumentenverhalten, 8. Aufl., S. 24)

Kontakt

Prof. Dr.
Carsten Totz
Digital Brand Experience
+ Strategy

Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie mir eine Nachricht, und ich melde mich bei Ihnen.

checkmark icon
Vielen Dank! Ihre Nachricht ist eingegangen. Ich melde mich bei Ihnen.
error message icon
Oops! Das Senden Ihrer Nachricht hat leider nicht geklappt. Versuchen Sie es bitte noch mal, oder schreiben mir an mail@carstentotz.de.