Abschlussarbeiten

Exposé

"Brauche ich unbedingt ein Exposé?" – eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird. Die Antwort lautet "jain". Prüfungsrechtlich brauchen Sie im Studiengang Wirtschaftskommunikation (Stand 03.2021) kein Exposé für die Zulassung zu Ihrer Abschlussarbeit. Es gibt aber gute Gründe dafür, und deshalb lautet der zweite Teil meiner Antwort: ja.

Unter einem Exposé versteht man die Beschreibung Ihres (Forschungs-)Vorhabens, international "Research Proposal" genannt. Man könnte auch sagen: Es ist der Fahrplan Ihrer Arbeit. Die Inhalte variieren von Hochschule zu Hochschule. Bei mir besteht ein gutes Exposé aus sechs Teilen, und es beginnt mit dem wichtigsten.

A. Problemsatz

Mit diesem Teil steht und fällt Ihr Exposé. Beschreiben Sie in fünf bis sieben Sätzen, welche Organisationen vor welchem Problem stehen. Welche Entscheidung oder Gestaltungsaufgabe steht an? Was wurde bisher angenommen, und was stellt das infrage? Was kostet es, wenn das Problem ungelöst bleibt? Und wem hilft Ihre Antwort? Wie ein Problemsatz aufgebaut ist, steht unter Themenfindung.

Ein Exposé ohne Problemsatz gleicht einem Fahrplan ohne Abfahrtsort: Man ahnt, wohin die Reise gehen soll, aber nicht, wo sie beginnt.

B. Arbeitstitel

Wie lässt sich Ihr Vorhaben in einem Satz oder zwei Halbsätzen treffend beschreiben? Ihr Arbeitstitel sollte aussagekräftig sein, aber nicht zu spezifisch. "Influencer Marketing" wäre viel zu allgemein, denn ein guter Titel benennt nicht nur ein Feld, er lässt eine Frage erkennen. Verzichten Sie auf "reißerische" Titel und orientieren Sie sich an Journal-Artikeln.

In der Wirtschaftskommunikation unterscheiden wir zwischen Thema (für den Antrag auf Zulassung, häufig breiter) und dem letztendlichen Titel Ihrer Arbeit (enger, spezifischer). Eine Themenänderung ist bei BA-Arbeiten innerhalb der ersten vier, bei MA-Arbeiten innerhalb der ersten sechs Wochen möglich (RStPO § 23, Abs. 2).

C. Forschungsstand & Theoriebezug

Was weiß man über Ihr Problem bereits, in der Forschung wie in der Praxis? Zu welchem Bereich der Wirtschaftskommunikation gehört es, und welche Nachbardisziplinen berühren es? Entscheiden Sie sich für einen theoretischen Anker, also eine Theorie oder ein Modell, durch das Sie Ihr Problem betrachten. Mehr als einer macht eine Arbeit schnell beliebig. Und zeigen Sie, wo das Wissen wackelt: Wo widersprechen sich Befunde, wo passt die Annahme der Praxis nicht zur Beobachtung?

D. Forschungsfrage & Erkenntnisziel

Welche konkrete Frage beantwortet Ihre Arbeit? Welche Erkenntnisse soll sie hervorbringen, und an welche bestehenden knüpft sie an? Die Frage ergibt sich aus Problemsatz und Forschungsstand; was eine gute Forschungsfrage ausmacht, steht unter Forschungsfrage. Der Problemsatz sagt, wo Sie losfahren. Die Forschungsfrage sagt, wo Sie ankommen wollen.

E. Eigenleistung & Methodik

Was steuern Sie selbst bei, das nicht schon in der Literatur steht – eigene Daten, eine originelle Perspektive oder einen originellen Zugang? Mit welcher Methode erarbeiten Sie Ihre Erkenntnisse, und wie setzen Sie Ihren theoretischen Anker dabei ein? Woher kommen die Daten, und kommen Sie an die Menschen, Unternehmen oder Materialien heran, die Sie dafür brauchen? Skizzieren Sie außerdem, wofür Sie KI-Werkzeuge einsetzen wollen.

F. Literatur

Führen Sie zentrale Quellen alphabetisch nach Nachnamen auf. Verwenden Sie vor allem Fachartikel/Journal-Artikel, Konferenzbeiträge und aktuelle Sammelbände. Sehr praxisorientierte Literatur und Whitepaper sind möglich, liefern bei der Einarbeitung aber selten eine ausreichend fundierte Grundlage.

Vibecoded with and    in Berlin.